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Vom Zwang, politisch Korrekt zu sein...

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Vom Zwang, politisch Korrekt zu sein...

Beitragvon tara76 am Donnerstag, 24. Januar 2008, 20:58

Bevor ich die Frage, die mir auf den Nägeln brennt, in den Raum stelle, mal eine kurze Einleitung:

Vor ca. 1 Jahr habe ich damit angefangen, sämtliche Foren zum Thema Vegetarismus/Veganismus/Tierrechte zu durchforsten.
Habe möglichst alle Themen abgegrast, mich informiert und viel gelernt.
Man stößt dabei auf Foren, die einem weniger liegen und findet andere gut, die man dann regelmäßiger besucht.
Auch von "gesichtslosen" Usern, die man im wahren Leben nicht kennt, kann man sich irgendwann dann ein Bild machen und
bleibt so schließlich in dem Forum kleben, wo man sich unter Gleichgesinnten fühlt.
Damit meine ich nicht, daß ich persönlich alle Nutzer sympathisch finde, und alle einer Meinung sein sollen, im Gegenteil:
ich fühle mich da wohl, wo eine gute "Mischung" zusammenkommt, sonst kann ja kein Austausch stattfinden!

ABER, und jetzt komme ich zu meinem eigentllichen Anliegen:
was mir fast überall negativ aufgefallen ist, ist die Tatsache, daß es auch in der Anonymität des www scheinbar extrem wichtig ist, politisch korrekt zu sein?!
Im RL durfte ich schon mehr als einmal die Erfahrung machen, daß es bestimmte Dinge gibt, die man niemals laut aussprechen darf, ohne Gefahr zu laufen,
zumindest verbal enthauptet zu werden.
Ein schönes Beispiel dafür findet sich gerade im Bereich Tierrechte/Ethik:
Nach meinem Entschluß, vegetarisch zu leben, stieß ich im Internet als allererstes auf einen Beitrag zum Holocaustvergleich.
Hoppla, dachte ich: da hat ja glatt schon einer formuliert, was ich immer sage. Interessiert mich, ich will mehr darüber erfahren.
Doch leider habe ich dann schnell festgestellt, daß man sich eben auch online nicht ungestraft darüber austauscht.
Mir will einfach nicht in den Kopf, warum solche Themen auf eine Art und Weise tabuisiert werden, die keinen Raum für eine Diskussion zulassen?
Gerade im Bezug auf Tierrechte lassen sich solche Beispiele zahlreich aufzählen.
Es findet ab einem gewissen Schritt über die allgemein anerkannte politisch korrekte Grenze, kein Austausch statt. Stattdessen schnappt das Gegenüber entsetzt nach Luft und schließt das Gespräch mit einer völligen Blockade.

Ich halte es in meinem Leben so: grundsätzlich darf über alles gesprochen werden, solange man die Grundregeln des guten Umgangs miteinander geplegt werden. Danach handeln ist jedoch in meinem Umfeld schwer möglich, natürlich mit einigen wenigen Ausnahmen im engen Familienkreis.
Liege ich verkehrt und bin ich tatsächlich die Einzige weit und breit hier die so denkt?
ACHTUNG!!! Dies ist mein erster "Vorstoß" in diese Richtung in einem Forum und in anbetracht der Tatsache, daß ich in Gesprächsrunden im RL schon diesbezüglich bereits abgestraft wurde: will hiermit niemandem auf den Schlips treten, sondern nur wissen, wie ihr dazu steht!
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Re: Vom Zwang, politisch Korrekt zu sein...

Beitragvon misi am Donnerstag, 24. Januar 2008, 21:28

Nach meinem Entschluß, vegetarisch zu leben, stieß ich im Internet als allererstes auf einen Beitrag zum Holocaustvergleich.
Hoppla, dachte ich: da hat ja glatt schon einer formuliert, was ich immer sage. Interessiert mich, ich will mehr darüber erfahren.
Doch leider habe ich dann schnell festgestellt, daß man sich eben auch online nicht ungestraft darüber austauscht.
Mir will einfach nicht in den Kopf, warum solche Themen auf eine Art und Weise tabuisiert werden, die keinen Raum für eine Diskussion zulassen?



Hallo!

so wie du es oben beschreibst erging es mir auch und ich verstehe bis heute nicht was an diesem Vergleich schlecht sein soll.

Ich kann einfach nicht verstehen wie man denken kann, dass dieser Vergleich den Holocaust im "3. Reich" "verharmlost". Bei einer solchen Aussage werde ich schon fast wütend, in einem solchen Zusammenhang überhaupt von "harmlos" zu sprechen :wut:
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Re: Vom Zwang, politisch Korrekt zu sein...

Beitragvon Susan am Donnerstag, 24. Januar 2008, 21:35

Ich durfte gestern hier im Internet auch mal weder die Erfahrung machen, das man immer eine aufs Dach bekommt, wenn man nur etwas anspricht, was im 3. Reich passiert ist, also Vergleiche zieht und ähnliches.
Generell geraten die Deutschen gleich aus dem Häuschen, wenn man mal auf die dunklere Vergangenheit ihres Landes anspricht, warum konnte mir bislang auch keiner sagen.
In echt trau ich mich sowas mittlerweile auch nicht mehr zu sagen...
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Re: Vom Zwang, politisch Korrekt zu sein...

Beitragvon tara76 am Donnerstag, 24. Januar 2008, 21:58

misi hat geschrieben:so wie du es oben beschreibst erging es mir auch und ich verstehe bis heute nicht was an diesem Vergleich schlecht sein soll.

Ich kann einfach nicht verstehen wie man denken kann, dass dieser Vergleich den Holocaust im "3. Reich" "verharmlost". Bei einer solchen Aussage werde ich schon fast wütend, in einem solchen Zusammenhang überhaupt von "harmlos" zu sprechen :wut:


Hallo misi!

Es geht ja auch noch nicht bloß darum, was an diesem speziellen Vergleich schlecht sein soll...
Sonder eine Diskussion darüber scheint völlig verboten zu sein?!
Ich glaube eben daran, daß es gewisse Dinge gibt, die eindeutig feststehen. Wenn sich zwei Parteien mit solchen Fällen im Gespräch auseinandersetzen,
dann wird jede Seite seine Argumente darlegen können. Nur: es findet kein ordentliches Gespräch statt:
Böses Thema - Gespräch beendet (bestenfalls) - braune Schublade (schlimmstenfalls)

Beispiele gibt es dafür zuhauf, ich habe mir ja nur eins rausgepickt.
Die Reaktionen sind immer gleich, wenn es darum geht, Menschliche Greueltaten an Tieren mit Anderem, das sie nach gelernten gesellschaftlichen Regeln zutiefst ablehnen, gleichzusetzen. Das man da als Menschenfeind beschimpft wird, ist dann noch das Harmloseste.
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Re: Vom Zwang, politisch Korrekt zu sein...

Beitragvon tara76 am Donnerstag, 24. Januar 2008, 22:09

Susan hat geschrieben:Ich durfte gestern hier im Internet auch mal weder die Erfahrung machen, das man immer eine aufs Dach bekommt, wenn man nur etwas anspricht, was im 3. Reich passiert ist, also Vergleiche zieht und ähnliches.
Generell geraten die Deutschen gleich aus dem Häuschen, wenn man mal auf die dunklere Vergangenheit ihres Landes anspricht, warum konnte mir bislang auch keiner sagen.
In echt trau ich mich sowas mittlerweile auch nicht mehr zu sagen...


Aber sollten erwachsene Menschen, denen ich Intelligenz unterstellen will, nicht in der Lage sein, Inhalte zu erfassen?
Mich ärgert es mitlerweile ganz gewaltig, wenn ich in Situationen komme, wo ich mir eben gewisse "verbotene" Aussagen vekneifen muß.
Ich bin wütend, wenn ich einem Forenbeitrag zustimmen will und mich blockiert fühle, weil ich Angst vor der allgemeinen Stimmung haben muss.
Schließlich reden wir ja nicht von dumm dahingeworfenen Parolen sondern immer vorausgesetzt, ein Text ist sachlich dargelegt.
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Re: Vom Zwang, politisch Korrekt zu sein...

Beitragvon Rygel am Donnerstag, 24. Januar 2008, 22:47

Dazu kann ich nur sagen, daß ich es sowohl liebe, heiße Eisen anzufassen und vor anderen zu verteidigen als auch fremde heiße Eisen Punkt für Punkt auseinanderzunehmen. Das ist auch mit ein Grund, warum ich dieses Forum hier so ideal finde, solange man sachlich und ohne persönliche Beleidigungen diskutiert, kann jeder seinen Standpunkt vorbringen, das gilt selbst für Jäger, Metzger und andere Leute, mit denen ich eigentlich überhaupt nicht korrospondieren möchte. Wenn sie ihre Punkte aber ohne Pöbeleien darlegen können, können sie das hier tun, ohne das ihre Beiträge gelöscht werden. Deshalb kannst du als Vegetarierin erst recht jedes Thema vorbringen, das du besprechen möchtest, gerade die Gratwanderungen bergen sogar den höchsten Diskussionswert, zumindest in meinen Augen. Also nur zu... :wink:
Für Bärbel Schäfer bin ich von mir aus ein Faschist,
für den Hool von nebenan bin ich so gern ein Kommunist,
für die anderen um mich herum bin ich nur ein Moralist,
weil jeder von euch weiß, wie´s ist - und fickt euch.
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Re: Vom Zwang, politisch Korrekt zu sein...

Beitragvon Battle Cat am Freitag, 25. Januar 2008, 11:40

tara76 hat geschrieben:Ich halte es in meinem Leben so: grundsätzlich darf über alles gesprochen werden, solange man die Grundregeln des guten Umgangs miteinander geplegt werden. Danach handeln ist jedoch in meinem Umfeld schwer möglich, natürlich mit einigen wenigen Ausnahmen im engen Familienkreis.
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Sehe ich genauso!

Gott sei dank kann man hier offen reden ohne gleich gekeult zu werden. ;)
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Re: Vom Zwang, politisch Korrekt zu sein...

Beitragvon Zorra am Freitag, 25. Januar 2008, 11:57

jetzt speziell zum "Holocaustvergleich"
er ist nicht falsch, sollte aber differenziert betrachtet werden, schon mal um sich nicht zu disqualifizieren

ansonsten finde ich diese ständige "Nazikeule"
egal ob sie von VeganerInnen oder von Omnis kommt,
ehre ziemlich abgegriffen und unpassend :gaehn:
http://de.wikipedia.org/wiki/Godwins_Gesetz
ist zwar jetzt Wiki, aber es geht mir eher um das Phänomen


Rygel hat geschrieben: solange man sachlich und ohne persönliche Beleidigungen diskutiert, kann jeder seinen Standpunkt vorbringen, das gilt selbst für Jäger, Metzger und andere Leute, mit denen ich eigentlich überhaupt nicht korrospondieren möchte...

das ist zwar das Ideal Rygel, aber in der Regel läuft es anders ab...
es ist generell ein Problem, mit Leuten,
die eine entgegengesetzte Meinung haben
(nicht nur bei Thema "Tierrechte"),
höflich zu diskutieren.
Ich selbst habe zumindest immer wieder
so meine Schwierigkeiten
und wenn ich mir die Foren insgesamt anschaue,
geht es den Meisten nicht viel anders... :pfeif:
"... es gibt keine Auswege zu wählen. Ein Ausweg, der wird erfunden." Sartre
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Re: Vom Zwang, politisch Korrekt zu sein...

Beitragvon Battle Cat am Freitag, 25. Januar 2008, 12:18

Zorra hat geschrieben:ansonsten finde ich diese ständige "Nazikeule"
egal ob sie von VeganerInnen oder von Omnis kommt,
ehre ziemlich abgegriffen und unpassend :gaehn:
http://de.wikipedia.org/wiki/Godwins_Gesetz
ist zwar jetzt Wiki, aber es geht mir eher um das Phänomen

Godwins_Gesetz ist wirklich interessant.

das ist zwar das Ideal Rygel, aber in der Regel läuft es anders ab...
es ist generell ein Problem, mit Leuten,
die eine entgegengesetzte Meinung haben
(nicht nur bei Thema "Tierrechte"),
höflich zu diskutieren.
Ich selbst habe zumindest immer wieder
so meine Schwierigkeiten
und wenn ich mir die Foren insgesamt anschaue,
geht es den Meisten nicht viel anders... :pfeif

Geht mir genauso! Aber ich gebe mir Mühe, im "Rahmen" zu bleiben. Allerdings wirkt sich das ganz übel auf meinen Herzschlag u. meinen Blutdruck aus. :engel:
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Re: Vom Zwang, politisch Korrekt zu sein...

Beitragvon tara76 am Freitag, 25. Januar 2008, 14:04

Danke Zorra für den link bei wiki! Hatte bisher noch nicht gehört, das es für dieses Phänomen eine Formulierung gibt...

Dazu wäre mal eine psychologische Studie sehr interessant! Da hab´ich doch gleich mal wieder ein Puzzleteil, das mich beim Stöbern zum
Thema weiterbringt!

Wie schon erwähnt, ist mir die Sache im RL auch schon mehrmals untergekommen.
Jedoch bei Unterhaltungen, bei denen es noch nicht mal um so kontroverse Themen wie den Holocaustvergleich ging.
Mir ist es dann immer so gegangen, daß mir vor Sprachlosigkeit einfach der Mund offen blieb und ich einfach Platt war ob der völligen Irrsinnigkeit der Situation.
Man fühlt sich wie im falschen Film, also ob plötzlich alle Verrückt spielen und man selbst kann der Anschuldigung überhaupt nicht folgen, weil es ja nichts gibt, wo man sich mißverständlich ausgedrückt hat und was diese Wendung des Gesprächs rechtfertigen könnte.
Für mich definiert sich Intelligenz auch dadurch, daß ein Mensch in der Lage ist, eine vernünftige Diskussion zu führen oder eben nicht.
Ich sehe es so: wer so abblockt (wie auch immer), hat erkannt, daß ihm Argumente fehlen und hat verloren.
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