Bezugnehmend auf die Fragestellung: JA. Das Böse ist nicht nur eine theoretische oder religiös-metaphysische Konstante, sondern ist ebenso ein Fakt.
Philosophisch gesehen, ist das Böse ein falsches Verhalten innerhalb eines für eine Gesellschaft gesteckten ethischen Feldes, d.h. bestimmte als ethisch anerkannte Kategorien werden präskriptiv und normativ benutzt.
Da das Gute und das Böse als Begriffe jedoch kontextualisiert werden müssen, müssen bei der Beurteilung auch gleichzeitig die situativen Elemente beachtet werden, in welchen eine 'ethische Verfehlung stattfindet', d,h. alles dies was gemein hin unter der Begriff der Subjektivität oder des Relativismus fällt. Ein Mensch, der von sich selbst überzeugt ist, richtig zu handeln, wird schwerlich seine Taten als 'böse' klassifizieren.
Und genau hierbei lässt sich eine gemeinsame Schnittmenge aller philosophischen Auslegungen herstellen, denn was 'Gut' und 'Böse' ist, hängt entschieden von den Taten, also der Handlung ab.
Wenn der Mensch innerhalb sozialer Normen bestimmte Handlungen ausübt, so passiert dies zumeist nicht durch die Einsicht in dessen grudlegende Elemente, sondern vielmehr weil er sich der Reflexion seines Verhaltens sperrt. Dies kann man dann auch schlichtweg als Realitätsferne bezeichnen.
Sittliche Normen integrieren und exponieren biologische oder jurischen Normen in Bezug auf ein freies Ausleben menschlichen Handelns und sind daher Wertvorzugsurteile.
Darüber hinaus gibt es jedoch auch deontologische Normen die absolut gesetzt werden und daher überzeitlich ein bestimmtes Verhaltensmuster verurteilen und ablehnen.
Teleologische Normen gebieten oder verbieten im Hinblick auf die Wirkungen des Handelns (z.B das Töten unschuldigen Lebens).
Worauf es letztendlich ankommt, wenn man die beiden letzten Positionen in Betracht zieht, ist die Empathie, welche das gute und das böse Handeln unterscheidet. In der konkreten Situation heisst dies, dass jedes Handeln als böse klassifiziert wird, welches aus der Erfahrung heraus einem anderen Lebewesen bewusst Leid zufügt, indem ich meine Subjektivität über das des anderen stelle. Und dies wiederum betrifft dann somit die Bereiche des Moralischen, Metaphysischen und Ethischen.
Ob ich nun das Böse als metaphysische Konstante im Sinne eines religiösen Verständnisses werte oder nicht, ist nebensächlich, denn das Böse manifestiert sich im Handeln und dem Ziel, dem ich einer Handlung gebe. In diesem Punkt decken sich die grundlegenden Gedanken von Kant, Jaspers und Spinozas.
Der Mensch hat die Handlungsfreiheit, Leid zu vermeiden und sich damit für das Gute zu entscheiden, oder dem Böse zu folgen und damit zu schaden. Beides ist angelegt, es ist nur die Frage, welchen Weg ich gehen möchte. Sprich das gute alte Motto: "Was du nicht willst, dass man dir tut, das füge auch keinem anderen zu."
Liebe Grüße
lioninwinter




, denen müssen wir schon philosophisch beikommen, wenn es um so ein brisantes Thema geht. Die Quintessenz steht darüber hinuaus ja fettgedruckt...
