Das Schlimme ist, dass diese Form der Selbstgeißelung eigentlich kein ursprünglicher Bestandteil des katholischen Glaubens ist, sondern sich erst nach und nach im 14. Jahrhundert aus einer mystifizierten Frömmigkeitsbewegung und der sogenannten Devotia Moderna entwickelt hat. Jedoch im Laufe der Zeit liturgisch untermauert wurde. Vorläufer dieser Bewegung waren unter anderem Riten des alten Isis-Kultes, des Dyonisos-Kultes und auch die Römer kannten diesen Kult, bei welchem jedoch die Frauen gegeielt wurden, um ihre Fruchtbarkeit zu erhöhen (Lupercalien). Doch vor allem die Texte der Frauenmystik wie beispielsweise Hildegard von Bingen, Mechthild von Magdeburg, Mergarete Porete und Text unbekannter Schwestern, die durch Nahrungsentzug oder Kräutertinkturen zu einem visionären Zustand gefunden haben, trugen neben dem Flagellantentum der christlichen Kirchenväter zu einer immer stärker werdenden Verbreitung bei. Die Selbstverstümmelung wurde hierbei jedoch nicht als Mittel eingesetzt (Die Ausnahme bilden einige Texte aus diversen Klöstern, die belegen, dass Frauen sich in einem Hungerwahn bestimmte Stoffe oral eingeführt haben, um die Lust zu bekämpfen...). Darüber hinaus wurde die Geißelung schon immer als probates Mittel eingesetzt, um zum einen einen Zustand zu erreichen, in welchem ich das Geistige vom Körperlichen trennen kann, das Fleisch, also das Irdische unter das Überzeitlichen, also Göttliche stellen kann und andererseits ganz irdisch gedacht, mich selbst für meine unkeuschen Gedanken bestrafen zu können (agonales Konzept). Die Geißelung galt als disciplina, als Erziehung und sollte die Transformation des Selbst hin zum Göttlichen unterstützen. Die liturgischen Selbstgeißelung geht aus dem Liber ordninarius des St.-Jakobs-Klosters in Lüttich hervor, in welcher klar dargelegt wurde, wann und vor allem wie vor den einzelnen Gebeten gegeißelt werden sollte...alle zusammen wohlgemerkt.
Die Mystikbewegung, die auffälligerweise gerade vor allem von Frauen untertsützt wurde (siehe hierzu: Peter Dinzelbacher, Himmel, Hölle, Heilige. Visionen und Kunst im Mittelater, Darmstadt 2002), pervertierte erst im ausgehenden Mittelalter und ist im Zusammenhang mit den zu disser Zeit zunehmenden Passionsspielen zu sehen. Diese Spiele, welche bis auf wenige Schaupspieler mitunter ganze Dörfer als Statisten miteinbezog, spielte, die letzten Tage Jesu nach, um dadurch den Erlösungsgedanken nicht nur durch das Wort, sondern auch durch das Mitleiden und Miterleben deutlich fassbarer machen zu können. Schon damals wurde diese Kreuzigungen und Geißelungen mitunter tatsächlich durchgeführt, wobei viele der Schauspieler ihren spaktakulären Tod fanden. Auffällig ist, dass diese Formen vor allem immer zu Zeiten praktiziert wurden, in welchen man den Weltuntergang befürchtete oder die Pesterscheinungen ein Ende fanden.
Verbote von Seiten der Kirche führten schließlich dazu, dazu, dass sich Gruppierungen bildeten, die die gespielte Kreuzigung und Flagellation weiterpraktizierten. Erst die Frühe Neizeit und vor allem die Schriften des Marquis de Sade entmystifizierten das als religöse Erfahrung verunglimpfte Martyrium und entlarvte den zumeist sexuellen Grundgedanken...
Wenn sich heute religiöse Gruppierungen noch dieses 'Ritus' bedienen, so fußt dies wohl auf den unterschiedlichen Strömungen religiöser Splittergruppen die sich im Laufe der Zeit pervertiert haben und den eigentlichen meditativen Grundgedangen der religiösen Verschmelzung wohl 'ein wenig' mißverstanden haben.

Polemisch gesagt, SM-Leder-Luder, die einfach nicht zu dem stehen können und sich eine religiös-verbrämte Erklärung aus den Fingern saugen müssen, denn es ist mehr als nur auffällig, dass fast wirklich alle großen katholischen Kirchenväter diese Praktiken (Geißelung) selbst praktizierten und deren wohltuende Wirkung in unzähligen Schriften niederlegten...
Tja, so sieht die Perversion einer Religion heute aus...
Liebe ungegeißelte Grüße
lioninwinter