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Holocaust-Vergleiche

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Holocaust-Vergleiche

Beitragvon Lucy am Samstag, 2. Februar 2008, 19:45

Ich habe mich mit einem Freund, seit vielen Jahren engagierter Tierrechtler, über dieses brisante Thema unterhalten. Da ich das Thema für sehr wichtig halte, möchte ich Euch an meinen neu erworbenen Infos teilhaben lassen.

Es gab in der Vergangenheit schon Kampagnen, die immer wieder Holocaust-Vergleiche zogen. Diese gingen immer an der eigentlichen Zielgruppe vorbei und auch Tierrechtler distanzierten sich von diesen Kampagnen deutlich.

2003 startete PeTA mit ihrer "Der Holocaust auf Ihrem Teller"-Kampagne. Hier ein Bericht zum Kampagnenstart im Tierrechtsmagazin VOICE:


Holocaust auf dem Teller

Bereits vor Jahren wurde in der Tierrechtsbewegung der so genannte KZ-Vergleich heftig diskutiert. Die meisten Initiativen stellten fest, dass Bezeichnungen wie »Hühner-KZ« nicht angemessen sind. Die nach eigenen Angaben größte Tierrechtsorganisation der Welt startete nun mit solchen Vergleichen eine weltweite Kampagne gegen Massentierhaltungen. Auf Plakaten, Flyern und im Internet vergleicht PeTA die industrielle Tierzucht mit den Konzentrationslagern des Nazi-Regimes. Weltweit regt sich Widerstand gegen die Kampagne. Auch Werbefirmen verweigern die Zusammenarbeit, und so mancher Promi, der sich sonst gerne für PeTA engagierte, ist schockiert. Paul Spiegel, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, spricht von einer Perfidie. »Wir greifen mit dieser Kampagne die Denkweise an, die es zuließ, dass in den 40-er Jahren zwölf Millionen Menschen abgeschlachtet wurden«, verteidigt Harald Ullmann von PeTA Deutschland die Kampagne, die in Deutschland Ende 2003 / Anfang 2004 an den Start gehen soll. »Die Apathie und Gleichgültigkeit, die zuließen, dass Juden, Homosexuelle, geistig Behinderte in den Tod transportiert wurden, ist dieselbe, gegen die wir heute ankämpfen.«
Und doch ist es eine völlig andere Situation: Die Juden wurden von den Nazis als »Krankheit«, als »Geschwür« angesehen, dass es zu vernichtet gilt. Juden sollten ausgemerzt werden. In Massentierhaltungen geht es darum nicht. Natürlich rechtfertigt der Zweck der Ernährung nicht das Ermorden von Hühnern, Rindern oder Schweinen, doch es wird deutlich, dass die Denkweise eben doch eine ganz andere ist. PeTA müsste viel weiter vorne ansetzen. Doch würde dann eben der Schock-Effekt fehlen, der PeTA heute die Publicity beschert.



Auch weitere Teile der Tierrechtsbewegung wollten diese Kampagne nicht einfach so stehen lassen und verfassten eine ausführlichere Kritik:



PeTA-Kampagne »Der Holocaust auf Ihrem Teller«:
Skandal und Propaganda
Eine Kritik aus der Tierrechtsbewegung



Anfang März startet auch in Deutschland und Österreich die in den USA bereits angelaufene und stark umstrittene Kampagne Der Holocaust auf Ihrem Teller der Tierschutzorganisation PETA (People for the ethical Treatment of Animals). Auf Werbeplakaten und im Rahmen einer Wanderausstellung werden Fotografien von nationalsozialistischen Konzentrationslagern Abbildungen der Gefangenschaft und industriellen Tötung von Tieren gegenübergestellt, um die Unterdrückung tierlicher Individuen durch die menschliche Gesellschaft anzuprangern. Trotz vielfacher Proteste soll die Kampagne in unveränderter Weise auf Europa ausgeweitet werden. Auch in Deutschland brandete bereits eine erste Woge der Kritik durch die Medienlandschaft, die vor allem an der »menschenverachtenden Gleichsetzung von Mensch und Tier« Anstoß nahm. Im folgenden entwickeln wir eine grundlegende Kritik der laufenden Kampagne und ähnlichen Diskussionen, die nicht auf tierverachtende und speziesistische Argumentationsmuster zurückgreift und aus einem generell herrschaftskritischen Ansatz dem enthistorisierenden Vergleich mit der Shoah widerspricht.


PeTA: Skandal und Propaganda

PeTA ist eine seit 1980 bestehende, auf Medienwirksamkeit ausgerichtete Organisation, die mit gezielt provozierenden Kampagnen auf sich aufmerksam macht. Die Marketingstrategie von PeTA zielt auf eine skandalisierende Darstellung der von ihnen angesprochenen Themen, unter der Verwendung von Slogans wie »Lieber nackt als im Pelz«, »Fleisch füttern ist Kindesmissbrauch« und dem aktuellen »Der Holocaust auf deinem Teller«.
Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Kritik findet nicht statt. Stattdessen wird – im aktuellen Fall – gezielt versucht, deren Legitimität in Frage zu stellen, indem auf der PeTA-Website positive Zuschriften jüdischer BürgerInnen präsentiert werden, die als Beleg für die moralische Unangreifbarkeit der Kampagne dienen sollen. PeTA begründet ihre massive Medienarbeit damit, dass »tierliche Interessen nur durch Menschen repräsentiert werden können«. Laut PeTA gibt es keine andere Möglichkeit, als das »Barbarentum, das an Tieren verübt wird, mit dem gleichen und vertrauterem Extrem menschlichen Leidens« zu vergleichen, damit es »letztendlich für alle fassbar wird und zu Handlungen inspiriert« (frei übersetzt nach http://www.masskilling.com/analogy.html).
Die instrumentalisierende Besetzung eines kontroversen Themas war auch in der Vergangenheit Strategie von PeTA. So wurde beispielweise die Krebserkrankung von New Yorks Bürgermeister Giuliani dafür verwandt, auf die Gefahren des Milchkonsums hinzuweisen. Einige Berühmtheit erlangte in den neunziger Jahren die Kampagne »Lieber nackt als im Pelz«, für die leicht bekleidete Supermodels in großflächigen Anzeigen um die Sympathien der Bevölkerung warben. Dass dabei die Reflexion über das eigentliche Thema in den Hintergrund tritt, zeigt sich auch an der Durchführung der aktuellen Kampagne, die auf Provokation, Skandalisierung sowie auf die Instrumentalisierung des Holocaust setzt.


Die Singularität des Holocaust

Der von PeTA angestellte Vergleich der Shoah mit der sytematischen Ermordung von Tieren in Schlachthöfen trennt die Verbrechen der Deutschen während des Nationalsozialismus von ihrem historischen Zusammenhang. Dieser Zusammenhang soll hier kurz erläutert werden, um unsere Kritik an dieser Form der Enthistorisierung zu verdeutlichen.
In Deutschland entwickelte sich im späteren neunzehnten Jahrhundert eine neue Form des Antisemitismus, die in der historischen Tradition eines jahrhundertelang innerhalb der gesamten christlich-westlichen Zivilisation vorherrschenden Antijudaismus steht. Dieser neue, eliminatorische Antisemitismus projiziert alle negativen Erscheinungen des erstarkenden Kapitalismus auf Jüdinnen und Juden, weist ihnen eine Schuld für sämtliche Auswirkungen der neu entstandenen industriellen Ordnung zu, die die bislang etablierte vormoderne Gesellschaftsordnung ablöste, und sucht ihrer durch Vernichtung Herr zu werden.
Im antisemitischen Weltbild wird ‘den Juden’ eine große Macht zugesprochen. Sie werden als die im Hintergrund wirkenden entwurzelten Kräfte gesehen, die die Fäden der Weltgeschichte in der Hand halten. Sie stehen in dieser Ideologie sowohl hinter den kapitalistischen wie auch den sozialistischen Mächten, verkörpern also in beiden Varianten die unbegriffene abstrakte Seite der Moderne, die an ihrer Person konkret vernichtet werden soll. Deswegen ist die Ausrottung der Jüdinnen und Juden für den Antisemiten auch nicht Mittel zum Zweck, sondern Zweck an sich. Moishe Postone bemerkte in seinem Aufsatz Nationalsozialismus und Antisemitismus dazu folgendes:
»Sie wurden nicht aus militärischen Gründen ausgerottet oder um gewaltsam Land zu nehmen (wie bei den amerikanischen Indianern); es ging auch nicht um die Auslöschung der potentiellen Widerstandskämpfer unter den Juden, mit dem Ziel, den Rest als Heloten besser ausbeuten zu können (Dies war übrigens die Politik der Nazis Polen und Russen gegenüber.). Es gab auch kein „äußeres“ Ziel. Die Ausrottung der Juden musste nicht nur total sein, sondern war sich selbst Zweck – Ausrottung um der Ausrottung willen –, ein Zweck, der absolute Priorität beanspruchte.« (Moishe Postone: Nationalsozialismus und Antisemitismus. Ein theoretischer Versuch, in: Dan Diner (Hrsg.): Zivilisationsbruch. Denken nach Auschwitz, Frankfurt a. M. 1988, S. 243)
Nur vor dem Hintergrund dieses antisemitischen Wahns ist zu erklären, warum die Nazis in den letzten Kriegsjahren einen Großteil des Schienenverkehrs für den Transport der Jüdinnen und Juden zu den Gaskammern benutzten und nicht für die logistische Unterstützung des Heeres, obwohl ihre Stellungen bereits von der Roten Armee überrollt wurden.
Die antisemitische Ideologie ist historisch unter anderem als »antikapitalistische Revolte« zu verstehen. Obwohl ihre Genese durch zahlreiche weitere Faktoren – religiöse und sozialpsychologische Motivationen, Aufkommen der Rassentheorien etc. – bedingt ist, werden wir uns in unserem Text auf die Analyse der verkürzten Kapitalismuskritik und der nazistischen Dämonisierung der abstrakten Sphäre des Kapitals beschränken, da diese für unsere Argumentation die zentralen Punkte sind. Im bereits oben erwähnten Aufsatz stellt Moishe Postone deren Bedeutung für die Erklärung der Shoah heraus:
»Eine kapitalistische Fabrik ist ein Ort, an dem Wert produziert wird, der „unglücklicherweise” die Form der Produktion von Gütern annehmen muss. Das Konkrete wird als der notwendige Träger des Abstrakten produziert. Die Ausrottungslager waren demgegenüber keine entsetzliche Version einer solchen Fabrik; sie müssen vielmehr als ihre groteske arische „antikapitalistische” Negation angesehen werden. Auschwitz war eine Fabrik zur „Vernichtung des Werts”, d.h. zur Vernichtung der Personifizierungen des Abstrakten. Sie hatte die Organisation eines quasi industriellen Prozesses mit dem Ziel, das Konkrete vom Abstrakten zu „befreien”. Der erste Schritt dazu war die Entmenschlichung, das heißt, dem jüdischen Bevölkerungsanteil die „Maske” der Menschlichkeit „wegzureißen” und Juden als das zu „zeigen”, was sie nach nazistisch-rassistischer Auffassung „wirklich sind”: Schatten, Ziffern, Abstraktionen. Der zweite Schritt war das Ausrotten dieser Abstraktheit, ihre „Verwandlung” zu Rauch ...« (Moishe Postone, S. 253f.)
Hier wird ein wesentlicher Unterschied zwischen der Vernichtung der Jüdinnen und Juden durch den Holocaust und der Ermordung von Tieren in den Schlachthöfen deutlich. Die Schlachthöfe funktionieren nach einem ökonomischen Prinzip. Die Hühner, Kühe, Schweine, etc. sollen nicht vernichtet werden, aus ihnen / durch sie soll Wert produziert werden. Ihre Tötung ist nicht Zweck an sich, sondern der Zweck ist die Produktion von Fleisch, die Produktion von ‘Nahrung’ für die Menschen.
Doch nicht nur aufgrund des analytischen Unterschiedes und des faktisch falschen Vergleichs zwischen Shoah und Schlachthaus ist die PeTA-Kampagne nicht tragbar. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Antisemitismus aus den Köpfen der Menschen noch keinesfalls verschwunden ist, sondern sich in einem sekundären Antisemitismus manifestiert. Dieser zeigt sich in Deutschland vor allem in Form einer Verdrängung der Schuld, einer Relativierung der Geschehnisse während des Nationalsozialismus und in der modernen Tarnung des Antizionismus. Eine Instrumentalisierung des Holocaust aus werbestrategischen Gründen, wie sie PeTA praktiziert, trifft auf genau diesen Boden und kommt dem deutschen Bedürfnis nach einer Entsorgung der Vergangenheit entgegen.


Anthropozentrische Kritik am Holocaust-Vergleich

Ein Großteil der derzeitigen Kritik an der PeTA-Kampagne enthält wenig Auseinandersetzung mit der Singularität der Shoah. Anstatt diese herauszustellen und auf die Historizität des Vernichtungs-Antisemitismus zu verweisen, dessen ideologisches Fundament sich – wie oben dargestellt – grundlegend von dem der Degradierung, Verachtung und Ausbeutung von Tieren unterscheidet, wird nicht selten versucht, das Bild des Menschen in der Unterscheidung zu Tieren zu bewahren. Nicht die Einzigartigkeit des Holocaust wird in den Mittelpunkt gestellt, sondern die Einzigartigkeit des Menschen. Die Reaktion der Medien ist bislang einhellig: »Kadaver toter Schweine« dürfen nicht gleichzeitig mit einem »Leichenberg« auf Plakaten erscheinen, ist in der Jungle World (Nr.50 vom 03. Dezember 2003) zu lesen. Die taz beschwert sich darüber, dass es für die Mitglieder von PeTA »keine Unterschiede zwischen Mensch und Tier« gibt. Spiegel-Online (vom 14. November 2003) hält die PeTA-Kampagne für schlicht »menschenverachtend«.
Eine derart verkürzte Kritik geht am eigentlichen Thema des Vergleiches von eliminatorischem Antisemitismus in NS-Deutschland und der institutionellen Gewalt sowie dem industriellen Mord an Tieren vorbei. Darüber hinaus wird die Unterdrückung von Tieren innerhalb der gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse nicht thematisiert. Was zu stören scheint, ist das In-Bezug-Setzen von Gewalt gegen Tiere und Gewalt gegen Menschen. PeTAs plakative Gleichsetzung der äußerlichen Phänomene von Shoah und Schlachthofgesellschaft erzeugt im anthropozentrischen Geist eine Kränkung des menschlichen Selbstbildes. Der aktuelle Diskurs bedient also hauptsächlich die öffentliche Empörung, die durch den Schock der Thematisierung des Massenmordes an Tieren ausgelöst wird.


Eine Tierbefreiungsperspektive ohne Vergleiche

Eine Kritik an den tierfeindlichen Verhältnissen dieser Gesellschaft sollte sich darauf konzentrieren, das Wesen von Tierausbeutung zu analysieren, anstatt ihre Phänomene zu vergleichen. Ziel der Tierbefreiungsbewegung muss stets auch eine umfassende Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse sein, mit dem speziellen Augenmerk auf die Verwobenheit des Speziesismus mit anderen Macht- und Herrschaftsformen. Als speziesistisches Grundprinzip sehen wir die dualistischen Konstruktionen von »der Mensch« und »das Tier« und die Zuschreibungen, die diesen scheinbar gänzlich unvereinbaren Kategorien anhaften.
So werden Gemeinsamkeiten negiert und Unterschiede überbetont. Diese Logik greift auf ein grundlegendes binäres Denkmuster zurück, das ein wesentliches Merkmal abendländischen Denkens ist. Dass diese Logik den gesamten Kulturkreis durchzieht, und deshalb in der Analyse mit anderen Herrschaftsformen zu verbinden ist, lässt sich an weiteren Dualismen erkennen, die in ihrer sozialen Konstruktion dem Mensch / Tier-Dualismus ähnlich sind und zum Teil auf ihn verweisen: Mann / Frau, Kultur / Natur, Vernunft / Instinkt, Geist / Körper, etc.
Die Befreiung der Tiere aus dem gesellschaftlichen Unterdrückungsverhältnis bedeutet für uns eine grundsätzliche Kritik an ihrer Verdinglichung und die Beendigung ihrer Nutzung.
Die alltägliche Ausbeutung, Unterdrückung und Ermordung von Tieren durch die menschliche Gesellschaft spricht für sich selbst und bedarf keiner Skandalisierung. Ihre Abschaffung muss Grundbedingung einer wahrhaft emanzipierten Gesellschaft sein. Als Tierbefreiungsbewegung, die sich diesem Gedanken verpflichtet fühlt, lehnen wir PeTAs Ansatz und den Vergleich mit dem Holocaust grundsätzlich ab.


Arbeitsgruppe der Hamburger Tierbefreiungstagung (Januar 2004)


Diese Kritik an der PeTA-Kampagne teilen unter anderem:
AntiSpeziesistische TierrechtsInitiative, AuTuMN, Basisgruppe !Tierrechte! (Wien), Berliner Tierrechts-Aktion, Foodfighters, Kampagne zur Abschaffung der Jagd (Georg Hemprich), Palanqueta, TierrechtsAktion Nord, Tierrechtsgruppe Verdura Ludwigsburg und VOICE-Magazin.
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Re: Holocaust-Vergleiche

Beitragvon Rygel am Samstag, 2. Februar 2008, 20:19

http://www.tierbefreier.de/tierbefreiun ... geich.html

Hier ein kleiner Auszug, sehr interessant auch in Bezug auf eine andere Diskussion hier auf dem Forum:

Sprechen wir von Zahlen. Die technischen und organisatorischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts ermöglichten eine hohe Effizienz der Niedertracht, eine Massierung und „Durchführung“ von Gräueln in relativ kurzer Zeit. Immerhin waren und sind Menschen auch mit weniger ausgereifter Technik schon zu eindrucksvollen Massakern fähig gewesen, die an Quantität nicht hinter denen der Nazis zurückstehen. Doch kommt es auf Zahlen an? Lassen sich individuelle Leiden summieren? Lassen sich Verbrechen aufrechnen? Trotzdem kann unser Gehirn nicht anders, als auch mit Zahlen zu operieren. Ein Serienmörder erschreckt uns mehr als ein Einmaltäter, sechs Millionen Ermordete lasten schwerer als ein niedergebranntes Dorf mit dreißig Toten. Wenn wir Zahlen ins Spiel bringen, kann allerdings der Vergleich mit den ermordeten Tieren nur noch Schwindel erregen. Nichts, was Menschen einander angetan haben, kommt auch nur in Bruchteilen von Bruchteilen an die Größenordnungen dessen heran, was wir Tieren antun. Es geht um Milliarden, Billiarden, um Hekatomben individueller Leiden und Tode, jahraus jahrein.
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Re: Holocaust-Vergleiche

Beitragvon tara76 am Samstag, 2. Februar 2008, 20:40

Ich sehe den Sinn einer Organisation wie Peta darin begründet, daß sie mit schockierenden Werbekonzepten viel Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken.
Wie es einer guten Diskussionsrunde auch ab und an gut tut, wenn eine daran beteiligte Person polarisiert.
Im Falle der besagten Kampagne ist es Peta immerhin gelungen, das Thema in die Wohnzimmer zu bringen und Menschen dazu zu bringen, darüber nachzudenken.
Natürlich müssen sich andere Organisationen öffentlich dagegen aussprechen, und natürlich müssen sich Prominente Werbeträger davon distanzieren, denn sonst wäre ihnen ein Imageschaden gewiss.
Ob der Vergleich akzeptabel ist oder nicht, darüber läßt sich streiten. Darüber sollte aber geredet werden. Nicht darüber, inwiefern das eine Verbrechen mit dem anderen verglichen werden kann. Und man sollte sich nicht daran aufhängen welche Absicht hinter welchem der Verbrechen gestanden hat oder heute steht. Sondern vielmehr sollte sich die Öffentlichkeit mit der Tatsache auseinandersetzen, daß heute wie damals vor schrecklichen Verbrechen die Augen verschlossen wurden/werden. Ich halte es manchmal für absolut nötig, daß einer aufsteht und schockt, denn das bringt die Themen auf den Tisch.
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Re: Holocaust-Vergleiche

Beitragvon Lucy am Samstag, 2. Februar 2008, 20:59

Tierbefreier hat geschrieben:Trotzdem kann unser Gehirn nicht anders, als auch mit Zahlen zu operieren.


Dass die Anzahl der Tiertötungen schlimm sind, bestreitet doch niemand.

Trotzdem kann man nicht das eine Leid im Vergleich zum Anderen herunterspielen.

Diese Vergleiche finde ich genauso merkwürdig:
Tierbefreier hat geschrieben:Ein Serienmörder erschreckt uns mehr als ein Einmaltäter,


Dass ein Serienmörder uns mehr erschreckt wie ein Einmaltäter liegt unter Anderem auch daran, dass ein Einmaltäter seine Tat auch im Affekt getan haben könnte, also völlig ungeplant. Vor einem Serientäter haben wir deswegen Angst, weil wir befürchten, dass dieser vielleicht wieder zuschlagen könnte.


Tierbefreier hat geschrieben:[sechs Millionen] Ermordete lasten schwerer als ein niedergebranntes Dorf [mit dreißig Toten].


Ich finde, das lässt sich genausowenig vergleichen, weil es sich bei den Einen um "Ermordete" (unabhängig von der Zahl) handelt und das Beispiel mit dem Dorf war wohl eher ein Schicksalsschlag. Wenn jemand das Dorf bewusst angezündet hat, wäre es für mich nicht weniger schlimm.

Hast Du denn die Texte der Tierrechtler gelesen? Ich schätze die Tierbefreier sehr, aber ich befürchte, dass sie mit ihren Vergleichen etwas sehr großzügig umgehen, weil es nun mal Dinge gibt, die sich einfach nicht willkürlich vergleichen lassen. Was die Größenordnung ansich angeht, haben sie Recht, dass sie schwindelerregend sind, aber ihre Vergleiche sind unausgereift und wenig durchdacht.

In den Texten steht ja auch genau drin warum sich die (!) sechs Millionen Ermordeten nicht mit der Massentierhaltung vergleichen lassen. Ich finde, die Texte sagen doch allerhand aus und sind fundiert begründet.
Zuletzt geändert von Lucy am Samstag, 2. Februar 2008, 21:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Holocaust-Vergleiche

Beitragvon Lucy am Samstag, 2. Februar 2008, 21:08

tara76 hat geschrieben:Und man sollte sich nicht daran aufhängen welche Absicht hinter welchem der Verbrechen gestanden hat oder heute steht. Sondern vielmehr sollte sich die Öffentlichkeit mit der Tatsache auseinandersetzen, daß heute wie damals vor schrecklichen Verbrechen die Augen verschlossen wurden/werden.


Genau das ist das Problem. Zu erkennen, welche Absichten hinter den Taten stehen, ist hilfreich, um den Weg in die Öffentlichkeit zu finden. Die Öffentlichkeit wird sich niemals freiwillig mit etwas befassen, was sie nicht hören, sehen oder riechen will. Die Aufgabe von uns Tierrchtlern ist es doch gerade, einen geeigneten Weg in die Öffentlichkeit zu suchen. Aber wenn man die Leute mit unglücklichen Kampagnen schockiert, erreicht man genau das Gegenteil, möglicherweise machen sie beim Thema Tierrechte noch mehr ihren Laden dicht...

Peta hat 2003 diese Kampagne geschaltet. Davon ist bei mir damals nichts angekommen. Und was haben sie denn damit erreicht? Nichts, außer Unmut in der Öffentlichkeit.
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Re: Holocaust-Vergleiche

Beitragvon Lucy am Sonntag, 3. Februar 2008, 12:29

Tierbefreier hat geschrieben:Für die Opfer ist es völlig gleichgültig, warum sie vernichtet werden, ob das Interesse ihrer Mörder an ihrem Tod von deren Geschmacksnerven oder dem Rassenwahn in ihren Köpfen herrührt.


Das sehe ich genauso. Habe gerade alles gelesen http://www.tierbefreier.de/tierbefreiun ... geich.html
Ich finde den Text als Ganzes der Tierbefreier auch gut, hilft uns aber auch nicht weiter, weil ich ja nicht mehr überzeugt werden muss.
Was mich an dem Text stört ist das Fehlen von Lösungsmöglichkeiten, wie man nun an die breite Öffentlichkeit kommt. Der Kontext ihres Beitrages liest sich eher als Beschwerde darüber, dass man diese Vergleiche nicht ziehen darf, obwohl es Parallelen zum Holocaust gibt. Natürlich gibt es Parallelen, aber Parallelen zu etwas kann man immer entdecken, wenn man nach ihnen sucht. Entscheidend ist doch, wie erreichen wir die Menschen, die Tieren die Leidensfähigkeit absprechen? Und da ist es nicht hilfreich in alten Wunden zu bohren.
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Re: Holocaust-Vergleiche

Beitragvon Zorra am Dienstag, 5. Februar 2008, 10:25

Lucy hat geschrieben:Peta hat 2003 diese Kampagne geschaltet. Davon ist bei mir damals nichts angekommen. Und was haben sie denn damit erreicht? Nichts, außer Unmut in der Öffentlichkeit.

Echt??? Mir kommt das schon viel länger vor...na gut, die Thematisierung ist wahrscheinlich älter.

Ich finde diese Formulierungen zu absolut, Lucy.
Bei mir ist PETA damit angekommen.
Ich kenne auch Andere,
die der Vergleich mehr nachdenklich machte,
als dass er abstoßend wirkte :ka:

(Wobei ich PETA insgesamt nicht sehr sympatisch finde, aber das ist ein anderes Thema)

Der Vergleich kann m.E. sehr wohl zur Sensibilisierung beitragen.
Aber zwischen einem Satz in einem passenden Moment und einer m.E. plumpen
"Befreit die KZ Hühner"-Demo vor einer KZ-Gedenkstätte (um Dein Bsp. an dieser Stelle aufzugreifen),
gibt es doch noch eine Menge Nuancen...

Unterschiedliche Situationen erfordern unterschiedliche Maßnahmen...
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Re: Holocaust-Vergleiche

Beitragvon Lucy am Mittwoch, 6. Februar 2008, 00:38

Jetzt hab' ich hier 'ne Stunde gesessen und 'ne halbe Doktorarbeit ausgearbeitet und jetzt ist alles weg, nur weil ich inzwischen wieder ausgeloggt wurde? Kiliaaaaaaaan! :heul:
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Re: Holocaust-Vergleiche

Beitragvon Zorra am Mittwoch, 6. Februar 2008, 05:00

Lucy hat geschrieben:Jetzt hab' ich hier 'ne Stunde gesessen und 'ne halbe Doktorarbeit ausgearbeitet und jetzt ist alles weg, nur weil ich inzwischen wieder ausgeloggt wurde? Kiliaaaaaaaan! :heul:

jetzt bin ich hin und her gerissen:
einerseits :troest:
anderseits frage ich mich ob es stimmt...
vielleicht war jemand nur nicht wirklich willig :akk: :pfeif:
(dann ist ein "Programmversagen" natürlich eine glänzende Idee 8-) )
wer weiß, was Du hier hier kurz nach Mitternacht wirklich anstellst... :engel:
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Re: Holocaust-Vergleiche

Beitragvon skorpion am Mittwoch, 6. Februar 2008, 05:39

Lucy hat geschrieben:Jetzt hab' ich hier 'ne Stunde gesessen und 'ne halbe Doktorarbeit ausgearbeitet und jetzt ist alles weg, nur weil ich inzwischen wieder ausgeloggt wurde? Kiliaaaaaaaan! :heul:


:shock: Ach du sch.... :shock:
Das mit dem Ausloggen passiert mir mir auch eindauernt.
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