von Yana am Mittwoch, 6. Februar 2008, 21:21
Ich habe mich nun durch den thread gequält und mir scheint es, als wäre der Tenor nicht:"Tiere sind den Menschen gleichgestellt" sondern "Tiere sind mehr wert als Menschen". Ihr sagt, der Mensch sei schlecht, die Erde, die Natur und die Tiere wären ohne den Menschen wesentlich besser dran.
Ich glaube nicht, dass wir die Welt retten können, in dem wir dafür sorgen, dass die Menschheit ausstirbt, denn der Mensch gehört genau so zur Natur und zur Erdgeschichte, wie alles andere auch.
Wir haben größere Chancen in der Änderung in unserer Einstellung. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Mensch von grund auf gut ist. Aber Urvertrauensverlust, gedankenlose Erzhiehung, Gruppenzwang, Einfältigkeit, Obrigkeitshörigkeit und noch viele Dinge mehr, die unserer kranken Gesellschaft entspringen, haben ihn zu dem gemacht, der er heute ist.
Würden alle Menschen so denken wie wir hier, also ethisch weitestgehend korrekt sage ich mal, dann würde so viel Frieden auf der Welt herrschen, und die Welt würde nicht drohen, unterzugehen.
Dann ist es doch naheliegend, als Ziel zu haben, die Menschheit dazu zu bringen, so zu denken wie wir. Ich finde, dieses Ziel ist nicht realer oder utopischer als das Ziel, die Menschheit auszurotten, sogar wesentlich natürlicher.
Das Instrument dazu ist Bildung, Wissen. Ich lebe so wie ich lebe, einerseits, um meinen Teil beizutragen, andererseits lebe ich so anderen Menschen in meiner Umgebung vor und schaffe es vielleicht, den ein oder anderen oder noch mehr dazu zu bringen, nachzudenken, nachzufragen, mit mir zu diskutieren und sich mir anzuschließen. Das Ziel haben wir ja wohl alle.
Aber ich bin obrigkeitshörig erzogen worden, mir fällt es ungemein schwer, mich aus meinen alten Mustern zu lösen, neue Wege zu finden, die sich gegen den Strom der Gesellschaft stellen und diese auch zu gehen. Es kostet mich Unmengen an Energie, die Kraft dafür aufzubringen, den Weg zu ebnen.
Ich habe ein Kind in die Welt gesetzt und hoffe, dass es sich nicht unterkriegen lässt, dass es nicht erst jahrelang Energie aufbringen muss, um ersteinmal zu kapieren, was los ist, sondern ich gebe mein Wissen und Leben weiter. Ich weiß nicht, welch ein Mensch mein Kind einmal sein wird, aber ich weiß, dass ich alles darum gebe, dass es urvertrauensvoll, innerlich stark und sicher sein wird. Und glaubt mir, dieser Weg hat mit Egoismus nicht mehr das geringste zu tun. Aber auch gar nichts. Ich lehre sie, dass ihr "Nein" etwas zählt, dass sie respektiert wird, dass sie ihre Grenzen stecken darf und diese verteidigen darf. Sie muss nicht "hören", wie ich das früher gelernt habe. Sie lernt, dass sie genau so viel wert ist wie wir alle. Wir respektieren sie und ihre Grenzen, sie muss unsere respektieren. Und ich sehe, dass das schon Früchte trägt. Sie ist wahnsinnig selbstbewußt.
Sie lernt, die Dinge zu hinterfragen, nicht mehr einfach zu tun, was "man eben so macht", und das wird sie in ihrem Leben begleiten. Sie wird zB. nicht einfach Fleisch essen, weil alle es machen. Sie wird auf die Barrikaden gehen und ihre Umwelt darauf aufmerksam machen, was für ein Scheiß da grade abläuft. Und zwar nicht, weil sie sich das angelesen hat, sich einprägen musste und lernen musste, so wie wir, sondern weil sie es von anfang an nicht anders kennt, weil sie es fühlt!
Und somit hat sie noch viel mehr Chancen als wir, dieses Wissen zu verbreiten! Und je mehr Menschen so denken wie wir, je mehr Kinder in die Welt gesetzt werden, die aufwachsen dürfen, wie sie sind und nicht in eine Gesellschaft hineingepresst werden, wie es leider noch allzuviel passiert (aber auch dahingehend lebe ich es anderen vor, und das ist verdammt schwer, weil ich auf viel Widerstand stoße...), desto stärker wird dieser Geist und desto mehr Chancen hat unsere Welt, sich irgendwann wieder zu erholen.
Es denken viel viel mehr Menschen so, als man glaubt, es wandelt sich wirklich. Langsam aber sicher. Man muss nur offen dafür sein, das zu sehen.
Was das Adoptieren von Kindern betrifft: Mein Mann und ich denken nun beim zweiten darüber nach.
Trotzdem will ich die Erfahrung der Schwangerschaft, vor allem der Geburt und auch die der Stillzeit niemals missen, denn sie hat mich menschlich so dermaßen viel weiter gebracht!!! Ich wäre heute niemals auf dem Weg zum Veganer, würde vielleicht noch immer in meiner Depression, in meinen Essstörungen rumkrebsen, wenn ich da nicht durchgegangen wäre.
Das kann man vielleicht als Kinderloser nicht verstehen, ich weiß es nicht. Ich hätte es damals jedenfalls nicht verstanden.
Liebe Grüße von Yana