Ich gebe zu, daß ich nur eine halbe Folge gesehen habe, aber die hat mir auch schon voll gereicht. Ergänzt wurde der Eindruck von Vorher-Nachher-Bildern der ersten 2 Kandidatinnen, die in meiner Tageszeitung abgedruckt wurden. Was denken sich ARD-Redakteure dabei, wenn sie so eine Sendung verbrechen? Soll da der Beweis angetreten werden, daß man absolut naturschöne Menschen mit nur wenigen Handgriffen zu kompletten Witzfiguren machen kann, hingerotzte neue Frisur und zentnerschwere Make-Up-Maske inklusive? Oder ist der ganze Mist dermaßen von der Styling-Industrie gesponsort, daß man praktisch dazu gezwungen wird, das Comeback des 10 cm Make-Up´s als neuen Crazy-Trend auszurufen? Egal was es ist, es ist übel, solche Transformationen aus dem Labor von Dr. Frankensteins debilen, kleinen Bruder dann als Schönheitsideal zu deklarieren, nach dem sich möglicherweise zig labile Teenies dann auch noch richten.
Das erste, was ich beim Zappen gehört habe, war eine Stylistin, die die Kandidatin dazu aufgefordert hat, in Zukunft nicht mehr ohne Lidschatten aus dem Haus zu gehen. Was die Kandidatin auch noch brav versprochen hat, klar, der tolle Bruce hat ihr ja auch danach attestiert, dass sie „wundaschon“ aussieht. Mag jetzt sein, das „Wundaschon“ ein Synonym für „künstlich aufgebretzelte Monstervogelscheuche“ ist, aber muß man sich in dem Fall dann nicht auch fragen, warum man sie erstens so entstellt hat und ob man ihr das zweitens dann auch noch total fies (o. k., in brucisch, also einer Fremdsprache, aber trotzdem gemein…) reindrücken muß?
Kann auch sein, dass hier einfach nur meine Indianer-Gene mit mir durchgehen, die vor Kriegsbemalungen jeglicher Art instinktiv zurückschrecken. So gesehen bin ich vielleicht sogar ein Anti-Bruce, der geschminkten Frauen sofort unterbewusst einen Tussi-Stempel verpasst, die Stärke variiert dabei nach der Intensität der künstlichen Gesichtsfarbe. Aber der Unterschied ist, dass ich keine eigene Sendung moderieren würde, in der ich ungeschminkte Frauen als allgemeines Schönheitsideal durchdrücke, so eine mediale Beeinflussung ist einfach mehr als mies.
Ich bin nun wirklich kein schöner Mensch, trotzdem habe ich mich inzwischen voll mit mir selbst arrangiert, das lag aber nicht an der Entdeckung des Kajalstiftes (was man damit macht, weiß ich noch immer nicht
), das lag einfach daran, dass ich inzwischen meinen Platz im Leben gefunden habe und absolut zufrieden damit bin. Durch diese Zufriedenheit entsteht Selbstvertrauen, und dieses Selbstvertrauen führt dann zur Akzeptierung der eigenen Persönlichkeit, diese Akzeptierung wird man aber niemals mit einer neuen Lippenstiftfarbe oder dem konsequenten Auftragen von Lidschatten dauerhaft erreichen können. Hierzu auch gleich noch ein von mir erfundener Granaten-Werbespot, wartet vorsichtshalber nicht auf eine TV-Ausstrahlung „Hallo, ich bin Denise und in meiner Freizeit stürme ich gerne Tierversuchslabore. Das ist immer ein ganz schöner Streß, da werden Mauern überklettert, Türen aufgebrochen, Käfige geöffnet und Foltergegenstände zertrümmert, da hat man kaum Zeit, um sich nachzuschminken. Das war mir aber immer sehr unangenehm, weil man bei diesen Tätigkeiten auch oft von Überwachungskameras beobachtet wird, da ist es sehr ärgerlich, wenn plötzlich der Lidschatten vor einer Großaufnahme verschmiert oder der Lippenstift durch Abnutzung nicht mehr richtig zum Top passt. Aber dank dem neuen Dauer-Make-Up „L´Oreal Flüssigbeton“ habe ich diese Probleme nicht mehr. Ich bin L´Oreal so dankbar, endlich kann ich wieder befreit und sicher in Kameras lächeln, so klappt es auch mit den Wächtern…“
„Ja, kaufen auch Sie „L´Oreal Flüssigbeton“, nur echt mit dem praktischen Spachtel für die schonende After-Day-Behandlung. Testen Sie auch die neuen künstlichen Fingernägel aus Metall, garantiert kein Abbrechen mehr beim gewaltsamen Öffnen von Affenkäfigen!“
Hier käme jetzt noch ein Jingle, den habe ich aber noch nicht...


