Hallo Christi,
Erstmal würde mich interessieren: Wieso möchtest du nicht, dass deine Tochter an Weihnachten kocht? Vor allem, wenn du weißt, dass du ihr damit eine Freude machen würdest? Wäre ein vegetarisches Weihnachten so schlimm? (Das ist nicht als rethorische Frage gemeint.)
Wenn ich meiner Mutter anbieten würde zu kochen, wäre ich wohl auch enttäuscht, wenn sie ablehnt. Das ist das eine.
Dann wäre da noch die Sache mit der Einstellung.
Ich nehme hierfür immer gern den Vergleich: stell dir einfach vor, das was du da isst, wäre Menschenfleisch. Als so schlimm, wie du das empfinden würdest, empfindet deine Tochter das wohl auch, wenn du Fleisch von anderen Spezies isst. Für sie ist es einfach
falsch. Und wenn man überzeugt davon ist, dass etwas falsch ist, dann tut es einem in der Seele weh, geliebten Menschen dabei zu zusehen, wie sie genau das tun - es tut einem auch bei anderen Menschen weh, aber bei solchen, die einem nahestehen einfach noch viel mehr. Ich gehe davon aus, dass sie einfach wirklich von dir verstanden werden möchte (gerade wenn, wie du schreibst, euer Verhältnis ansonsten eigentlich gut ist) - und ich denke, dass eine solche Gelegenheit, wie die, dass du ihren Vorschlag an Weihnachten zu kochen ablehnst, ihr genau das Gegenteil vermittelt. Vielleicht wird sie deswegen böse, weil sie enttäuscht ist.
Dann noch was in eigener Sache, oder vielleicht auch in Sache deiner Tochter: Es gibt immer wieder Omnivoren/Fleischesser, wie auch immer, die total stolz darauf sind, dass sie "nichts gegen Vegetarier/Veganer haben", dass sie ja so tolerant sind. Mir stößt das meistens ziemlich übel auf, denn was geht die das denn an, was ich esse, solange ich dabei niemandem schade? Muss man jemandem gegenüber, der versucht Gutes zu tun "tolerant sein"?

Ich würde das eigentlich für selbstverständlich halten. Genauso, wie ich es für
selbstverständlich halte, auf die Bedürfnisse seiner Gäste einzugehen: wenn mein Gast keinen Blumenkohl mag (sei es jetzt aus ethischen, ästhetischen oder religiösen Gründe), dann serviere ich ihm keinen.
Ob du ein schlechter Mensch bist, weil du Fleisch isst? Hm..tja, wer hat das Recht das zu beurteilen? Ist man ein schlechter Mensch, wenn man wohlwissend Schmerzen und Tod leidensfähiger Lebewesen in Kauf nimmt - für.. ja, wofür.. Genuss.. Gewohnheit?
Meine Antwort, wie du dir sicher denken kannst, wird da wohl eher positiv ausfallen. Ganz allein aus dem Grund, weil ich
mich für einen schlechten Menschen halten würde, wenn ich das täte - ich könnte nicht mehr in den Spiegel schauen. Wieso also soll das für andere Menschen nicht auch gelten?
Was du machen solltest im Bezug auf deine Tochter?
Das ist nicht so leicht zu beantworten. Vielleicht solltest du v.a. versuchen, sie erstmal "wirklich" zu verstehen, versuchen ihr "nachzufühlen". Dann kannst du ihre Reaktionen vielleicht eher nachvollziehen. Ich denke das ganze hat nichts mit verbiegen zu tun. Ich bin auch zufrieden mit
meinem Leben, dennoch hält mich das nicht davon ab, es immer wieder neu zu reflektieren, aus anderem Blickwinkel zu betrachten und nötigenfalls Konsequenzen zu ziehen. Dabei fühle ich mich nicht, als würde ich mich verbiegen - unabhängig davon, ob andere mich auf entsprechendes aufmerksam machen, oder ob ich selbst darauf komme. (Was wären wir, ohne den Ideenaustausch mit anderen? ) Es ist erstmal prinzipiell nichts schlimmes, sich zu verändern (oder verändern zu lassen), letztendlich ist Stillstand der Tod.

Ich jedenfalls habe vor, mich mein ganzes Leben lang weiter zu entwickeln, zu verändern...
Hm.. ich glaube ich schweife gerade ziemlich ab. *g* Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig einen anderen Blickwinkel auf das Ganze verschaffen, das zumindest ist meine Intention.
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